Longboard Kugellager Ratgeber Auswahl & Pflege

Die Kugellager an Deinem Longboard entscheiden, wie “smooth” du fährst. Ob du eher dahin gleitest oder holperst. Deshalb dieser Ratgeber. Er soll dir nicht nur bei der Auswahl guter Longboard Kugellager helfen, sonder Dir auch zeigen wie du Sie richtig pflegst, und dir Tipps zum Wechseln und Ein- und Ausbau geben.

Gute Longboard Kugellager haben einen geringen Rollwiedertstand

Hochwertige Kugellager sorgen dafür, dass dein Longboard “smooth” rollt. Man nennt sie auch Walzlager oder Bearings. Sie sind an den Achsen jeder Rolle befestigt und lassen die Räder mit geringem Widerstand drehen. Jede Rolle hat braucht zwei Kugellager, das heißt dein Longboard hat insgesamt doppelt so viele Bearings, wie Rollen.

Die Spacer verhindern, dass die Lager beim Zusammendrücken Schaden nehmen. Der Spacer sitzt zwischen den beiden Kugellagern und hält die Innenringe auf demselbem Abstand, wie der Rollenkern breit ist. Ohne den Spacer würden die Kugellager beim Festziehen der Mutter kaputt gehen. Der zwischen acht und zehn Millimeter starke Durchmesser des Achsstiftes entscheidet darüber, welcher Spacer für welches Kugellager richtig ist. Damit die Lager nicht am Hangerende oder der Mutter schleifen, werden zwei Speedringe verbaut. Einer zwischen Mutter und Lager, sowie einer zwischen Mutter und Hangerend.

Deine Bearings beeinflussen deine Geschwindigkeit

Zwei Kugellager mit entfernten Shields, so sehen deine Kugellager von innen aus.Hochwertige und vor allem saubere und gut geschmierte Kugellager lassen dich schneller und viel softer dahin gleiten.

Die Qualität der Bearings hängt vor allem damit zusammen, wie viel Energie sie schlucken. In guten Longboard Kugellagern geht aufgrund von hochwertigem Material und exakter Verarbeitung kaum Energie verloren, sodass du in der Theorie mehr Geschwindigkeit aufnehmen kannst -Solange du die Skills dazu besitzt und die Lager außerdem mit dem richtigen Deck und hochwertigen Rollen kombinierst. Die Spreu vom Weizen trennt sich, wenn wir bei Kugellagern von Haltbarkeit und Pflegeintensität reden. Auch diese beiden Punkte hängen mitunter vom Material ab. Gerade wenn du gerne auf wenig befestigten Strecken fährst, hängt die Pflegeintensität sogar mit der Lebensdauer zusammen.

Achtung: Um das perfekte Longboard Kugellager ranken sich viele Mythen, daher lass dich nicht hinters Licht führen, sondern werde zum Mythbuster. Prädikate, wie “Swiss” und “ABEC” solltest du genauso kritisch betrachten, wie Videos zur Freilaufzeit von bestimmten Modellen.

Gefettete Bearings sind schmutz- und wasserabweisend

Eine gute Schmierung reduziert Reibung und damit Hitze. Das gibt dir mehr Geschwindigkeit und sorgt zugleich für weniger Verschleiß. Einige Longboard Kugellager sind zu diesen Zwecken gefettet, andere sind geölt. Achtung, Silikonspray eignet sich wegen seiner Viskosität wenig, um die genannten Effekte herbeizuführen. Silikonöl ist zwar ein sehr gutes Öl, würde aber zu schnell wieder aus deinen Lagern verschwinden. Wenn du aber auf kurzen Strecken das beste aus deinen Lagern holen möchtest und es dich nicht stört, deine Longboard Kugellager oft zu pflegen, probier es einfach mal aus.

Für eine dauerhafte Schmierung deiner Lager sorgen Fette und Öle. Geölten Lagern sagt man höhere Geschwindigkeiten nach, allerdings musst du sie oft nachölen – spätestens wenn sie rasseln oder quietschen. Geölte Lager sind widerstandsfähiger, da sie schmutz- und wasserabweisend sind. Du kannst ursprünglich geölte Bearings auch nachträglich einfetten. Anders herum funktioniert das nur bedingt. Da der Geschwindigkeitszugewinn mit Ölung statt Fettung nur minimal ist, macht die Fettung meist größeren Sinn. Unabhängig davon, ob du dich für gefettete oder geölte Bearings entschieden hast, muss du sie regelmäßig pflegen, um ihre Lebensspanne zu verlängern.

Mach dich nicht von Kugellagermythen abhängig

Der ABEC-Wert (Annular Bearing Engineering Committee) ist ein Bewertungssystem für industrielle Bearings. Je höher diese Zahl, desto geringer sind die Fertigungstoleranzen deiner Longboard Kugellager oder mit anderen Worten desto höher kann ihre Präzision ausfallen. Du wirst Werten zwischen ABEC3 und ABEC7 begegnen, aber sei auf der Hut und wähle nicht nach ABEC aus. Der ABEC-Wert allein sagt lediglich aus, wie genau der reine Fertigungsprozess und die Qualität der Fertigungsmaschinen einzuordnen ist. Damit kann er dir als grober Richtwert dienen, aber sollte nicht Hauptaugenmerk deiner Entscheidung sein.

Ein schlecht geschmiertes Kugellager aus minderwertigem Material kann noch immer einen hohen ABEC-Wert haben. Anders herum gilt dasselbe. Auch das Prädikat “swiss” bezieht sich rein auf die Fertigungsgenauigkeit, nicht aber auf die restliche Qualität. Außerdem gibt es keine genauen Richtlinien, denen ein “Swiss”-Produkt Folge leisten muss. Diese Auszeichnung ist für dich daher inhaltlos. Das “Skate Tested”-Prädikat von Bones ist beispielsweise deutlich sinnvoller als ABEC und “Swiss”, weil es statt über die Herstellungstheorie zumindest etwas über die praktische Brauchbarkeit der Lager aussagen will. Ein ebenso beliebter Qualitätsmythos wie “Swiss” und “ABEC” ist hinsichtlich Bearings übrigens die Freilaufzeit.

Die Rolle anzudrehen und die Zeit zu messen, die bis zum Stillstand vergeht, sagt sogar noch weniger über die Bearingsqualität aus. Außerdem beweist sich ein Kugellager erst unter Belastung, die bei diesem Experiment schlichtweg fehlt.

Keramikkugellager sind hochwertig, aber äußerst teuer

In der Regel sind Longboard Kugellager entweder aus poliertem Stahl oder Keramik. Auch gute Edelstahlkugellager und Chromstahlkugellager sind zwar vor Korrosion gefeit, aber Keramik ist hitzebeständiger, pflegeleichter, leichter im Gewicht und außerdem stabiler. Keramink Kugellager sind anders als Stahl Kugellager sehr unempfindlich gegenüber Wasser wenn du also mal in den Regen kommst musst du Dir um deine Bearings keine Gedanken machen.

Daher lassen Keramiklager dich mit wenig Antrieb und geringem Reinigungsaufwand schneller und länger rollen, als Stahllager. Allerdings muss du richtig Knete haben, um dein Longboard mit Keramiklagern aufzurüsten. Diese hohe Investition lohnt sich für dich nur, wenn du ein richtiger Longboard-Freak bist.

Eine geringe Kugelzahl sorgt für Laufruhe und Geschwindigkeit

Normalerweise enthalten Longboard Kugellager sieben Kugeln. Modelle, wie das Super Swiss 6 von Bones sind allerdings mit sechs Stück ausgestattet. Das ist für dich vor allem im Hinblick auf die Lebensdauer und Geschwindigkeit der Bearings relevant. In Kugellagern mit sechs Kugeln findet nämlich weniger Reibung statt, was dich bei höherer Laufruhe schnellere Geschwindigkeiten mit weniger Abnutzung fahren lässt. Als Geschwindigkeitsjunkie bist du mit 6 Kugeln also besser bedient.

Richte dich bei den Shields nach deinen Vorlieben

Unterschätze bei der Kugellagerwahl niemals die Relevanz der Shields. Das sind die seitlichen Abdeckungen der Bearings, die meist aus Kunststoff oder Metall gefertigt sind. Sie entscheiden maßgeblich darüber, wie viel Zeit du in Zukunft in die Pflege der Lager investieren musst. Kunststoffabdeckungen sind dichter, aber sorgen für höhere Reibung, was dich langsamer macht. Metall-Shields halten länger, weil sie nicht schleifen. Sie bremsen dich weniger, aber sorgen für mehr Pflegeaufwand. Es gibt auch Metall-Shields mit einem Gummi, der Wasser und Schmutz vom Lager fernhalten soll. Du erkennst sie an dem Zusatz “2RS”. Die Gummierung ist allerdings anfällig für Beschädigungen.

Neben dem Material beachtest du bei der Shield-Auswahl außerdem, ob auf beiden oder nur auf einer Seite ein Shield vorhanden ist. Beidseitig geschlossene Bearings sind dichter gegen Staub und daher langlebiger und weniger pflegeintensiv. Du erkennst ein beidseitig geschlossenes Lager an der Auszeichnung 608 ZZ, während “offene” Lager ein Z weniger aufweisen. Vorteil der Offenheit ist vor allem die einfachere Wartung der Bearings. Du hast es wahrscheinlich schon bemerkt: Jede Shield-Art hat ihre Vor- und Nachteile. Die Auswahl hängt daher von deinen Ansprüchen und Vorlieben ab.

Brauchbare Kugellager kosten dich zwischen 15 und 150 Euro

Damit du einen kleinen Einblick bekommst, was dich brauchbare Longboard Kugellager kosten, geben wir dir hier noch ein paar Beispiele. Für Einsteiger eignen sich vom Beispiel AMPHETAMINES ABEC 7 SPEED, die für 18 Euro Stabilität, Laufruhe und einfache Pflegeansprüche bieten. Die etwa 5 Euro teureren BONES REDS sind die meistverkauftesten Kugellager und eignen sich mit ihrem moderaten Preis ebenso gut für Anfänger.

Wenn du noch höhere Ansprüche stellt ist das BUSTIN ABEC 9 SPEED vielleicht das richtige Lager für dich. Diese Bearings sind sehr langlebig und schnell. Sie kosten dich allerdings schon um die 25 Euro. Der Geschwindkeitsrekord der IGSA wurde mit einem noch schnelleren Lager gefahren – mit dem SEISMIC TEKTON ABEC 7 für etwa 30 Euro. Für die weiter oben erwähnten Sechskugel-Bearings kommen dagegen schon um die 75 Euro auf dich zu. Die Keramikkugellager von Bones beginnen bei etwa 110 und enden bei über 150 Euro. Wenn du sowieso gerade am Einkaufen bist, vergiss nicht, einige Pflegeprodukte für die Bearings zu besorgen. Bones bietet in dieser Hinsicht gute Produkte zu annehmbaren Preisen an. Für die Bones Speed Cream bezahlst du etwa 10 Euro und der Bearing Cleaner für um die 15 Euro hilft dir, die Bearings aufzureihen und intensiv zu reinigen.

Um deine Longboard Kugellager reinigen zu können, musst du dein Longboard zerlegen

Spätestens mit Geräuschen aus dem Bearings oder unrundem Fahrgefühl fordern deine Longboard Kugellager zur Reinigung auf. Um die durchzuführen, musst du die Lager erst mal von deinem Longboard kriegen. Demontiere die Rollen und Achsen am besten mit einem Inbusschlüssel. Den Dorn des Inbusschlüssels verwendest du, um die Lager zu lockern. Je nachdem, welche Spacer in deinem Board sitzen, brauchst du entweder einen sechs oder acht Millimeter großen Dorn.

Wenn du das Kugellager gelockert hast, drückst du den Spacer mit dem Dorn aus der Rolle. Bei acht Millimeter starken Spacern verhakst du den Dorn jetzt hinter dem Spacer und ziehst ihn so heraus. Bei sechs Millimeter starken Spacern drückst du mit dem Dorn dagegen, bis sich das Lager auf der anderen Seite aus dem Board löst. Mit einem sauberen und dünnen Messer kannst du die Abdeckungen abnehmen.

Im Video siehst du wie du am besten vorgehst um deine Kuglelager zu reinigen.
Falls du nach dem Video noch Fragen zur Reinigung hast findest du unter dem Video noch eine ausführliche Anleitung.

Wasser, Spülmittel und Isopropan helfen dir bei der Reinigung

gereinigtes Kugellager

Longboard Kugellager ausgebaut und werden gespült bis keine Reste mehr an den Kuglen sind.

Die Shields reinigst du mit etwas Wasser und Spülmittel. Danach trocknest du sie mit einem weichen und fusselfreien Tuch gut ab. Die Bearings wandern ohne die Abdeckung in einen Glas- oder Metallbehälter. Sie dürfen jetzt in Isopropyl-Alkohol baden. Aber Achtung: Trage im Umgang mit dieser Flüssigkeit Handschuhe und beachte die Sicherheitshinweise auf der Verpackung.

Der Alkohol ist leicht entzündlich und seine Dämpfe können dir schaden. Daher kann auch Atemschutz sinnvoll sein. Außerdem solltest du einen gut gelüfteten Raum für das Bearing-Bad aufsuchen. Verwende gerade soviel Isopropanol, dass die Longboard Kugellager voll bedeckt sind. Du verschließt danach den Behälter und schwenkst ihn für einige Minuten. Diesen Vorgang wiederholst du so lange mit frischem Isopropanol, wie die Flüssigkeit noch Schmutzreste zeigt.

Vergiss nach dem Reinigen die Schmierung nicht

Wenn du die Kugellager fertig gereinigt hast, entsorge das Isopropanol wie auf der Verpackung beschrieben und lasse die Bearings auf einem sauberen und fusselfreien Tuch trocknen. Bevor du fortfährst, sollten alle Flüssigkeits- und Schmutzrückstände Geschichte sein. Sobald das der Fall ist, kannst du dich an die Schmierung machen.

Wenn du Pflegeprodukte, wie die Bearings Speed Cream zur Hand hast, musst du lediglich einen Topfen davon auf das Lagerinnere geben. Drehe das Kugellager dann mit dem Finger und verreibe den Tropfen. Danach darfst du die trockenen Shields wieder aufdrücken.

Wieder zusammenbauen und los geht’s

Um das Longboard Kugellager wieder ans Longboard zu kriegen, setzt du es auf einer Seite an und fügst von der anderen Seite aus den Spacer ein. Erst darauf kommt der zweite Teil des Lagers. Drücke die Bearings danach gut zusammen und ziehe das Kugellager wieder an. Du darfst das Gewinde nicht überdrehen und das Lager beim Anziehen nicht beschädigen. Die Bearings dürfen aber auch nicht zu locker sitzen. Du ziehst sie an, bis die Rollen fest auf dem Achsstift sitzen. Ziehe vorsichtig an, bis du Widerstand spürst. Danach gibst du noch eine halbe Umdrehung dazu.

Anziehen solltest du übrigens auch immer dann, wenn du mit Wasser in Kontakt gekommen bist. So quetschst du die Flüssigkeit nämlich wieder aus dem Kugellager heraus. Wenn es nicht sofort nach dem Reinigen “smooth” läuft, fahre ein paar Downhilltouren und hoffe auf Besserung. Eventuell musst du das Lager nämlich wieder einfahren, wie es auch für neugekaufte oder lange ungenutze Longboard Kugellager vorkommt.

Hier noch ein paar Hersteller Links:

http://bonesbearings.com/

http://www.amphetamine-bearings.com/

http://www.skf.com/

Longboard Kugellager Ratgeber Auswahl & Pflege
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8 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Also wenn ich die Kugellager mit dem Wasser und dem Alkohol reinige, dann aber wieder trockne rosten sie nicht?

    Antworten
    • Hallo Fabian,

      doch sie würden Rosten deshalb darfst Du das schmieren nicht vergessen je nach Lagertype mit Fett oder Öl. Wenn du nicht genau weißt ob Deine Lager Öl oder Fett brauchen nimm Fett das funktioniert auf alle Fälle. Dann noch viel Spaß beim Frühjahrsputz.

      Antworten
  • Muss man Ceramic Kugellager eigentlich auch ölen/fetten, oder nicht? Und wenn ja womit am Besten?

    Antworten
    • Hallo Nicky,

      auch Keramik Kugellager müssen etwas geschmiert werden, besonders nach der Reinigung, wenn Deine Kugellager also deutliche Geräusche machen beim Rollen oder du einen Widerstand merkst ist es Zeit sie zu reinigen.
      Nach der Reinigung der Kugellager machst du am besten eine Tropfen Speed Cream drauf, und Deine Lager sind wieder so gut wie neu.

      Antworten
  • Vor ab, ich bin ein totaler Neueinsteiger. Meine Frage, wieso gibt es bei Kugellager aus Keramik keine ABEC Klassifizierung?

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  • Silvia Freistedt
    12. November 2017 15:25

    Hi wie lange brauchen denn neue Kugellager um eingefahren zu werden bzw. um eingefahren zu sein?

    Antworten
    • Hallo Silvia, die Lager brauchen nicht lange um eingefahren zu sein. Auf den ersten Metern kann der Widerstand etwas größer sein aber nach 10 bis 20 Minuten Rollen sollte es deutlich leichter laufen, wenn nicht dann stimmt was mit deinen Kugellagern oder der Montage nicht.

      Beste Grüße
      Svena

      Antworten
  • Grüß dich Vielen Dank für den umfassenden Artikel.Ich mag Deine Webseite!

    Antworten

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