Longboard-Fahrstile

Longboard Pumpen, es sieht ganz einfach aus …

… aber es braucht schon ein wenig Training, bis Du Dich durch Pumpen fortbewegen kannst.

Was Pumpen bedeutet:

Pumpen nennt man einen Longboard-Fahrstil, bei dem Du beschleunigst, ohne den Fuß vom Brett zu nehmen, also ohne zu pushen. Mit pumpenden Körperbewegungen erreichst Du eine Querbeschleunigung, die als Vortrieb auf das Board übertragen wird und bewirkt, dass es vorwärts geht. Damit das funktioniert, muss Dein Körperschwerpunkt außerhalb der Bordachse liegen.

Pumpen beim Slalomrennen

Wie Pumpen geht:

Es ist nicht so einfach, die ideale Technik für Pumpen mit Worten zu erklären. Vergleiche hinken, und wenn Du keine Erfahrung mit Hula Hoop hast, wird es Dir kaum helfen, wenn Dir jemand damit das Pumpen erklären will. Pumpen ist auch nicht einfach Rotation – dazu kommt eine fortlaufende rhythmische Gewichtverlagerung. Die Knie sind dabei leicht gebeugt, die Arme kannst Du auf verschiedenste Weise bewegen, um Beschleunigung und Balance zu unterstützen. Denk Dir eine S-Kurve, die Du in vertikaler Richtung mit Deinem Körper beschreibst, und die sich bis in Dein Board fortsetzt, währen Ihr Euch in einer horizontalen Welle fortbewegt. Und all das so koordiniert, dass Du nur mit Deinen Körperbewegungen auf dem Board Antrieb hervorrufst, Geschwindigkeit und Richtung bestimmst – ohne dass Dein Fuß den Boden berühren muss.

Aller klar? Es ist immer gut, sich dazu auch noch ein paar Videos anzusehen …

Varianten beim Longboard Pumpen:

Es gibt eine ganze Reihe von Spielarten beim Pumpen. In Standardhaltung steht Dein vorderer Fuß im 45°-Winkel zur Fahrtrichtung und steuert, der hintere Fuß im 90°-Winkel trägt das Gewicht. Aber Du kannst Deine Füße auch parallel mittig auf dem Board platzieren. Und um einmal andere Muskeln zu trainieren oder um Ermüdungserscheinungen vorzubeugen, kannst Du Dich umdrehen und mit dem Rücken zur Fahrtrichtung weiterpumpen – zum Beispiel beim Long Distance Pumping (LDP).

LDP – Long Distance Pumping

Bei der Ausdauervariante des Pumpens gilt es besonders, die Anstrengungen zu minimieren, da Du zum Teil Stunden auf dem Board stehst. Mit dem geeigneten Setup reichen sparsame Bewegungen, wenn Du Dein Tempo einmal erreicht hast. Und es ist weniger ermüdend, ab und zu zwischen verschiedenen Techniken zu wechseln.

Braucht man zum Pumpen unterschiedliche Achswinkel?

Je lenkfreudiger und wendiger Dein Board ist, desto besser kannst du pumpen. Ein optimales Setup beinhaltet eine wendige Vorderachse und eine trägere Hinterachse, und insgesamt schmalere Achsen.

Lenkverhalten und Wendigkeit beeinflusst Du, indem Du den Winkel veränderst, mit dem die Achsen an Deinem Board befestigt sind. Wenn die Achse weiter nach vorn gerichtet wird, erhöht sich die Lenkfreudigkeit. Eine weiter nach innen gekeilte Achse wird träger.

Vorderachse:

Um die Vorderachse auf wendig zu keilen, kannst du je nach Achse bis zu +16° keilen. Bewährte Vorderachsen-Modelle, die sich gut zum Pumpen eignen, sind zum Beispiel Bennett Vector, Tracker RTX oder Virage LDP Front.

Hinterachse:

Um die Hinterachse auf stark träge zu bekommen, kannst Du je nach Achse und persönlicher Vorliebe bis auf 0° herunterkeilen. Ein von Natur aus etwas trägeres Setup erreicht man mit längerer Wheelbase, dann muss hinten entsprechend weniger gegengekeilt werden. Beliebt zum Pumpen sind Hinterachsen wie Tracker RTS, Virage LDP Rear, Airflow Offset oder Seismic.

Reverse Kingpin Achsen:

Reverse Kingpin Achsen mit asymmetrischem Hanger kannst Du auch ohne zu keilen träger bekommen, indem Du den Hanger einfach um 180° drehst (Hanger flippen), wodurch sich der Winkel etwas verringert.

Gibt es Setups mit denen man aus dem Stand lospumpen kann, oder muss man immer ein bisschen pushen?

Gleich vorweg – geübte Fahrer können tatsächlich aus dem Stand lospumpen. Einfacher ist es allerdings, ein paarmal zu pushen, bis eine Grundgeschwindigkeit (etwa 10 km/h) erreicht ist.

Wie kommt man vom Fleck?

Kinetische Energie aus Deinen Pumpbewegungen wird in Vortrieb umgewandelt. Hast Du einmal Fahrt aufgenommen, kannst Du kurzfristig Spitzengeschwindigkeiten von über 30 km/h erreichen. Beim Long Distance Pumping sind Durchschnittsgeschwindigkeiten von 20 km/h auf Strecken bis zu 100 km keine Seltenheit. Alles ohne einmal den Boden zu berühren!

Das optimale Setup zum Pumpen

Jahrzehntelange Erfahrungen und unzählige Skater-Stunden stecken in diesen Empfehlungen:

Rollen
– mit hohem Rebound, 78a ist der beste Allround-Härtegrad, 84a geht bei einfachem Gelände. Gut für Kurzstrecken sind Rollen in Größen von 66 mm bis 70 mm, für längere Distanzen 75/76 mm.

Vorderachse
– wendig mit gutem Rebound, um 10° – 15° gekeilt (oder mehr)

Hinterachse
– stabil mit gutem Rebound, um 5° – 10° heruntergekeilt

Kugellager
– sauber, gut geölt, Abec 3-5-7

Deck
– an der Nose breit genug für den Fuß

Wheelbase
– zwischen 66 cm und 80 cm

Flex
– subtil, weder butterweich noch bretthart

Aber beim Pumpen gilt – wie beim Longboarden generell: Es gibt keine allgemeingültigen Regeln. Ausprobieren ist angesagt, Dein Setup ist Deine ganz persönliche Sache, es muss schließlich Dir gefallen und nur zu Deinem Fahrstil passen.

Ist es beim Pumpen besser, wenn man ein leichtes oder ein schweres Board hat?

Pumpen geht zwar auf (fast) jedem Brett, aber besonders beim Long Distance Pumping wirst du mit einem leichteren und kürzeren Brett besser klarkommen; auch darf der Schwerpunkt nicht zu tief sitzen, um geschmeidig pumpen zu können. Das ideale Deck zum Pumpen sollte außerdem ausreichend breit sein, so dass Dein vordere Fuß kurz vor der Vorderachse bequem auf das Board passt. Damit kannst Du leichter lenken und Deine Körperdynamik lässt sich am besten auf die Rollen übertragen. Übrigens: bei hoch aufgebauter Achse hast Du einen noch besseren Hebel zum Pumpen.

Generell ist zum Beispiel ein Downhill Board wesentlich schwerer als ein Longboard zum Pumpen, und gedroppte Downhill Boards mit ihrem geringen Lenkeinschlag sind auch die einzigen Bretter, die sich überhaupt nicht zum Pumpen eignen.

Was für Rollen braucht man, um möglichst schnell und lange Pumpen zu können?

Wähle Deine Rollen in Größe, Grip und Härtegrad, die zu Deinem Board und Setup passen und das Pumpen optimieren.

Größe
Rollen zum Pumpen sind zwischen 66 mm und 77 mm groß, oft werden 70 mm verwendet. Je grösser der Durchmesser, desto ruhiger das Fahrverhalten bei hohen Geschwindigkeiten oder rauen Oberflächen. Kleinere Rollen sind schneller bei Beschleunigung und Abbremsen. Wenn Du vorhast, viel zu pumpen, sind Rollen von maximal 75 mm zu empfehlen, wie Orangatang In Heat 75 mm aus dem Hause Loaded.

Grip
Entscheidend für die Gripqualität ist die Position des Kugellagers. Pumpen kannst Du am besten mit Offset-Rollen (Kern leicht aus der Mitte versetzt). Mehr Grip bekommst Du auch, wenn Du hinten weichere Rollen montierst (SplitDuro), wie BigZigs, vorne 83a, hinten 80a, oder SpeedVents, vorne 84a, hinten 80a.

Härtegrad
Den Härtegrad erkennst Du an der a-Zahl (je höher ihr Wert, desto grösser der Härtegrad). Longboard Rollen liegen zwischen 75a und 88a. Gut zum Pumpen ist 78a, bei glatten Strecken auch 84a. Die Orangatang Rollen gibt es in 3 Härten: 80a Orange, 83a Lila, 86a Gelb.

Nimmt man zum Pumpen besser Bushings mit viel oder mit wenig Rebound?

Bushings-pumpen-Jesus-Menendez-flickrUm eine wendige Vorderachse für das Pumpen zu erhalten, brauchst Du weiche Bushings mit möglichst viel Rebound (die Rückstellkräfte, mit denen das Bushing nach Verformung versucht, seine Form wiederzubekommen). Je härter die Bushings, desto mehr Widerstand beim Lenken und umgekehrt -daher benötigen lenkintensive Fahrtechniken wie Pumpen vorne eher weiche Bushings. Der optimale Härtegrad hängt aber auch von Deinem Gewicht ab – dafür gibt es Tabellen.

Vorderachse und Hinterachse

Die Vorderachse muss sich mit möglichst wenig Druck neigen und lenken lassen. Hinten brauchst Du etwas härtere Bushings – da wird der Großteil des Körpergewichts getragen, und das Lenkgummi muss das Kippen des Boards beim Pumpen so ausgleichen, dass die beiden hinteren Rollen nicht vom Boden abheben. Generell gilt: du kannst hinten das gleiche fahren wie vorne, nur 3a härter.

Du benötigst für jede Achse 2 Bushings: ein straßenseitiges (Top-Bushing) und ein boardseitiges Bushing (Bottom-Bushing). Bushings bekommst Du in verschiedenen Härtegraden und Formen: Cones (konische Lenkgummis) steigern die Lenkfähigkeit, Barrels (flache Bushings) machen die Achse träger. Cones sind perfekt zum Pumpen – je mehr Cones Du (straßenseitig) einsetzt, desto lenkfreudiger wird Dein Board.

Fazit: Pumpen

Das ist eine rhythmische Bewegung, die sehr schwer zu erklären ist, aber sehr einfach aussieht, vor allem bei Leuten, die es beherrschen. Damit kannst du dein Longboard beschleunigen. Bist du aber im falschen Rhythmus, kannst du das Gegenteil bewirken und wirst immer langsamer. Pumpen ist eine sehr komplexe Technik beim Longboardfahren. Wenn du das Pumpen erst einmal verstanden hast und es kannst, dann kannst du sogar leichte Steigungen problemlos überwinden. Damit Du das Pumpen richtig erlernst, musst du erst einmal das Carven und den Slalom perfekt beherrschen. Eigentlich musst du beim Pumpen nur gleichmäßig Bewegungen der Gewichtsverlagerung durchführen, die entgegengesetzt der Boardrotation sind. Bei diesen Bewegungen musst du den Körperschwerpunkt außerhalb der Boardachse bringen. Das kannst du, wenn du Carven gelernt hast.

 

 

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Vielen Dank für die Beatwortung all der Fragen aus dem Gewinnspiel 😉

    Antworten
  • Ich danke euch für den tollen Artikel. Endlich mal eine gute Erklärung, wie diese Technik überhaupt funktioniert. geht das denn auch auf dem Mini-Longboard.
    Mit besten Grüßen,
    Lars

    Antworten

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